Starkstromanschluss – Dreiphasenwechselstrom verlegen, Herd & Kosten
Ein Starkstromanschluss (400 V Dreiphasenwechselstrom) kostet beim Nachrüsten zwischen 300 und 2.000 Euro – je nach Leitungslänge, Aufwand und Zählerschrank-Zustand. Wer einen E-Herd, eine Wallbox oder eine Wärmepumpe betreiben möchte, kommt an Drehstrom nicht vorbei. Hier erfahren Sie, was das wirklich kostet, wie der Ablauf läuft und worauf Sie achten müssen.
Was ist Starkstrom – und wozu brauche ich ihn?
Starkstrom ist kein Fachjargon, sondern eine präzise Bezeichnung: Als Starkstrom gilt Dreiphasenwechselstrom (Drehstrom) mit 400 Volt. Im Gegensatz zum normalen Haushaltsstrom (230 V, einphasig) nutzt Drehstrom drei Phasen gleichzeitig, was eine wesentlich höhere Leistungsabgabe ermöglicht.
Starkstrom = 400 Volt Dreiphasenwechselstrom. Erkennbar am blauen CEE-Stecker (Campingplatz, Werkstatt) oder den drei Phasensicherungen im Sicherungskasten.
Wann ist Starkstrom notwendig?
- Elektroherd / Backofen: Standard-Herde (6–12 kW) benötigen 400 V, 16 A
- Wallbox E-Auto (11–22 kW): Dreiphasig, B16 oder B32-Absicherung
- Wärmepumpe: Heizwärmepumpen ab 5 kW laufen auf 400 V
- Sauna (6–12 kW): 400 V, 16–25 A je nach Leistungsklasse
- Durchlauferhitzer: Leistungsstarke Modelle (18–27 kW) brauchen Drehstrom
- Werkzeugmaschinen: Professionelle Kreissägen, Kompressoren, Drehbänke
Starkstrom nachrüsten: Kosten im Überblick
Die Gesamtkosten setzen sich aus Material, Elektriker-Stunden und ggf. Netzbetreiber-Gebühren zusammen. Diese Tabelle zeigt reale Richtwerte:
| Leistung / Anwendung | Kosten (ca.) | Hinweis |
|---|---|---|
| Kabel verlegen (ohne Anschluss) | 120–500 € | Heimwerker erlaubt |
| Elektriker-Anschluss am Zählerschrank | 80–300 € | Nur Fachbetrieb! |
| Neue 400V-Zuleitung (inkl. Elektriker) | 300–800 € | Längenabhängig |
| Herd / Backofen nachrüsten (komplett) | 200–600 € | Inkl. Dose + Anschluss |
| Wallbox-Anschluss (11–22 kW) | 500–1.500 € | Inkl. Sicherungen + Zähler |
| Sauna-Anschluss (8–12 kW) | 400–1.200 € | Neue Leitung + Absicherung |
| Wärmepumpe (Elektroanschluss) | 600–2.000 € | Je nach Aufwand + Erdarbeiten |
| Hausanschluss komplett neu (Erdarbeiten) | 1.500–5.000 € | Netzbetreiber separat! |
Wichtig: Das Verlegen des Kabels können Heimwerker selbst übernehmen. Den elektrischen Anschluss an das Stromnetz muss zwingend ein zugelassener Elektrofachbetrieb vornehmen – Eigenversuche sind illegal und können den Versicherungsschutz erlöschen lassen.
Schritt-für-Schritt: So läuft die Nachrüstung ab
Das Nachrüsten eines Starkstromanschlusses folgt immer dem gleichen Schema. Hier der genaue Ablauf:
- Bedarf ermitteln: Welches Gerät braucht Starkstrom? Herd (400V, 16A), Sauna (16–32A) oder Wallbox (16–32A)?
- Zählerschrank prüfen: Elektriker prüft, ob der vorhandene Kasten die Zusatzlast verträgt. Ggf. muss der Schrank erweitert werden.
- Kabelweg planen: Route vom Zählerschrank zum Verbraucher ausmessen. Kabel durch Wände oder Decken – Mauerwerk bohren, Leerrohre setzen.
- Kabel verlegen: Geeignetes 5-adriges NYM-Kabel (3×1,5 bis 5×6 mm² je nach Last). Das darf der Heimwerker selbst machen.
- Elektriker beauftragen: Anschluss an den Zählerschrank, Einbau des Leitungsschutzschalters (B16/B32), Überprüfung – nur Fachbetrieb!
- Netzbetreiber informieren: Bei Leistungserhöhungen über 3,68 kW muss der Netzbetreiber informiert werden (kostenlos, meist nur Formular).
- Abnahme & Protokoll: Messprotokoll vom Elektriker erhalten. Wichtig für Versicherungen, Gewährleistung und ggf. Förderanträge.
16A, 32A oder 63A – welche Absicherung brauche ich?
Die richtige Absicherung hängt direkt vom Verbraucher ab. Eine falsch dimensionierte Sicherung führt zu Auslösung oder – schlimmer – zur Überhitzung des Kabels:
- B16 (16 Ampere): Standard-Herd, Backofen, kleine Sauna bis 6 kW, Wallbox 11 kW
- B32 (32 Ampere): Wallbox 22 kW, große Sauna (10–12 kW), Wärmepumpe bis 11 kW
- B63 (63 Ampere): Großer Durchlauferhitzer (27 kW), gewerbliche Maschinen
Faustformel: Leistung in kW ÷ 0,4 kV ÷ 1,73 ≈ benötigte Ampere. Für eine 22-kW-Wallbox: 22 ÷ 0,4 ÷ 1,73 ≈ 32 A → B32-Sicherung.
Starkstrom für die Wallbox: Was wirklich nötig ist
Wer ein Elektroauto zuhause laden möchte, kommt an Drehstrom nicht vorbei – zumindest für eine leistungsstarke Wallbox. Eine 3,7-kW-Wallbox läuft noch einphasig auf 230 V, aber für 11 oder 22 kW brauchen Sie:
- 400V-Zuleitung (5-adrig, NYM 5×6 mm² bei 22 kW)
- Leitungsschutzschalter (B16 für 11 kW, B32 für 22 kW)
- FI-Schutzschalter Typ A oder Typ B (je nach Wallbox-Hersteller)
- Optional: Energiezähler für steuerliche Abrechnung (wichtig bei Firmenwagen)
Förderung: KfW-Programm 442 bezuschusst Wallbox-Anlagen inkl. Elektriker-Kosten. Angebot aufheben, da für Förderantrag und Steuerabrechnung benötigt. Auch manche Stadtwerke fördern lokal.
Altbau vs. Neubau: Was ist der Unterschied?
Im Neubau ist ein Starkstromanschluss heute Standard – die Norm schreibt für Küche und Heizraum mindestens eine 400V-Zuleitung vor. Im Altbau dagegen ist Nachrüsten die Regel:
- Neubau: Starkstrom im Küchenbereich und Heizraum sind Pflichtausstattung nach DIN 18015
- Bestandsgebäude (Altbau): Zählerschrank oft zu klein, Kabel veraltet (Aluminium statt Kupfer), Nachrüstung nötig
- Denkmalschutz: Sonderabsprachen nötig, keine sichtbaren Schlitze an Fassade
- Mietwohnung: Genehmigung des Vermieters erforderlich, Kosten trägt in der Regel der Mieter
Bei einer Kernsanierung oder einem Hausumbau lohnt es sich, die Starkstrom-Nachrüstung in die Gesamtmaßnahme zu integrieren – das spart Elektriker-Stunden und Aufwand bei Leitungsführung.
YouTube: Starkstrom – so geht’s in der Praxis
400V CEE-Steckdose anschließen (Drehstrom)
Phasenfolge prüfen und korrigieren
400V CEE-Verlängerungsleitung erstellen
E-Herd (400V) anschließen – Küche Schritt für Schritt
Typische Fehler beim Starkstrom nachrüsten
- Falsche Kabelstärke: NYM 3×1,5 mm² reicht für 2,3 kW (230V), nicht für 400V-Last. Für Wallbox: min. 5×6 mm².
- Kein FI-Schutzschalter: Pflicht nach aktueller VDE-Norm, auch bei Nachrüstung.
- Anschluss ohne Konzession: Selbst anschließen ist verboten. Bei Schäden zahlt keine Versicherung.
- Netzbetreiber vergessen: Bei Leistungserweiterungen muss der Netzbetreiber informiert werden.
- Kein Messprotokoll: Ohne Abnahmeprotokoll kein Versicherungsschutz, keine Förderung.
Wertsteigerung durch Starkstrom
Ein vorhandener Starkstromanschluss erhöht den Immobilienwert – besonders bei Häusern ohne Drehstrom. Käufer, die eine Wallbox oder Wärmepumpe planen, sehen fehlenden Starkstrom als Manko. Wer vor dem Hausverkauf nachrüstet, kann den Aufwand (300–800 €) in der Regel mehrfach im Preis zurückholen.
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Häufige Fragen zum Starkstromanschluss
Was kostet Starkstrom nachrüsten?
Die Nachrüstung eines Starkstromanschlusses kostet zwischen 300 und 2.000 Euro — bei aufwändigen Erdarbeiten oder größeren Leitungswegen auch mehr. Die Arbeiten darf nur ein konzessionierter Elektriker durchführen.
Darf ich Starkstrom selbst anschließen?
Nein. Das Verlegen des Kabels ist für Heimwerker erlaubt. Den elektrischen Anschluss an das Stromnetz darf nur ein zugelassener Elektrofachbetrieb vornehmen. Verstöße können Versicherungsschutz und Garantieansprüche erlöschen lassen.
Was ist der Unterschied zwischen Starkstrom und normalem Strom?
Normaler Haushaltsstrom hat 230V (einphasig, Wechselstrom). Starkstrom bezeichnet 400V-Dreiphasenwechselstrom (3 Phasen + Neutralleiter + Schutzleiter). Er liefert mehr Leistung für stromlastige Geräte wie Herd, Sauna, Wallbox oder Wärmepumpe.
Wie viele Ampere hat Starkstrom?
Typische Starkstrom-Absicherungen im Haushalt: 16A für Herd/Backofen, 16–32A für Wallbox (11–22 kW), 16–25A für Sauna. Die benötigte Absicherung hängt vom Endverbraucher ab.
Brauche ich für eine Wallbox Starkstrom?
Für eine 11-kW-Wallbox ist Drehstrom mit 400 Volt (dreiphasig) erforderlich. Die meisten deutschen Einfamilienhäuser verfügen bereits über einen Starkstromanschluss — erkennbar an drei Phasensicherungen im Sicherungskasten. Eine 3,7-kW-Wallbox funktioniert auch mit einphasigem 230-V-Anschluss.
Wer darf Starkstrom installieren?
Starkstromarbeiten dürfen ausschließlich Elektroinstallateure mit Konzession des zuständigen Netzbetreibers durchführen. Eigenmächtige Installationen sind verboten, gefährden die Gebäudeversicherung und können bei Schäden zur vollen Haftung führen.





















