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Berufsausbilder werden: AEVO Fragen 1 – Ausbildungsvoraussetzungen prüfen (für Immobilienmakler, Handwerk & Co.)

Berufsausbilder werden ist für Maklerbüros, Hausverwaltungen und Bauträger eine der unterschätzten Wachstumsstrategien: Wer den AEVO-Schein hat, darf eigene Auszubildende einstellen — und damit langfristig hochqualifizierte Fachkräfte zu einem Bruchteil der Recruiting-Kosten heranziehen. In diesem Ratgeber zeigen wir dir alle Prüfungsfragen und Antworten zu Handlungsfeld 1 „Ausbildungsvoraussetzungen prüfen“ der AEVO (Ausbilder-Eignungsverordnung). Bevor du tiefer einsteigst, lohnt der Blick auf unseren Überblicks-Ratgeber zum Beruf Immobilienmakler sowie auf die Themen Maklerprovision berechnen, Bestellerprinzip und Maklervertrag.

Warum AEVO für Immobilienmakler? Der Business-Case

Der Fachkräftemangel trifft die Immobilienbranche hart: Erfahrene Makler, Hausverwalter und Sachbearbeiter sind teuer und schwer zu finden. Headhunter verlangen pro vermitteltem Mitarbeiter 20–30 % des Bruttojahresgehalts — bei einem Makler mit 60.000 € Jahresgehalt also bis zu 18.000 € Vermittlungsprovision. Eine eigene Ausbildung zum Immobilienkaufmann (IHK) kostet im Vergleich überschaubar:

  • Ausbildungsvergütung: ca. 850 € (1. Jahr) bis 1.150 € (3. Jahr) brutto/Monat
  • Sozialabgaben Arbeitgeber: ca. 21 % auf das Bruttogehalt
  • Gesamtkosten 3 Jahre Ausbildung: ca. 45.000–55.000 € brutto
  • Recruiting-Kosten gespart: 15.000–18.000 € pro Fachkraft
  • Bindungsquote: selbst ausgebildete Mitarbeiter bleiben im Schnitt 6+ Jahre im Unternehmen

Wer sein Maklerbüro skalieren oder eine Immobilien Holding mit eigener Verwaltung aufbauen will, sollte AEVO als strategische Investition begreifen — nicht als bürokratische Pflicht.

AEVO-Prüfung: Kosten, Dauer und Ablauf im Überblick

Position Kosten / Dauer Hinweis
Vorbereitungskurs IHK (Vollzeit) ca. 500–900 € 3–4 Wochen, ca. 80–120 Stunden
Vorbereitungskurs (Teilzeit / Online) ca. 400–800 € 2–6 Monate berufsbegleitend
Prüfungsgebühr IHK ca. 150–220 € schriftlich + praktisch
Lehrmaterial / Bücher ca. 50–100 € optional, vieles online frei
Bestehensquote (bundesweit) ca. 85–90 % schriftlicher Teil meist die Hürde
Schriftliche Prüfung 180 Minuten 4 Handlungsfelder, Multiple Choice + offen
Praktische Prüfung 30 Minuten 15 Min Präsentation/Unterweisung + 15 Min Fachgespräch

AEVO vs. §34c GewO vs. IHK-Geprüfter Immobilienmakler — die Abgrenzung

Drei Begriffe, die in der Maklerwelt häufig vermischt werden — sind aber komplett unterschiedlich:

Qualifikation Was berechtigt sie? Voraussetzung
§34c GewO Erlaubnis Maklertätigkeit selbst (Gewerbeerlaubnis) Zuverlässigkeit, geordnete Vermögensverhältnisse
AEVO (Ausbilderschein) Eigene Azubis ausbilden Fachliche + persönliche Eignung, AEVO-Prüfung
IHK-Geprüfter Immobilienmakler Höhere Berufsqualifikation, Marketing-Vorteil Berufserfahrung + IHK-Fortbildungsprüfung

Handlungsfeld 1: Ausbildungsvoraussetzungen prüfen — Übersicht

  • Vorteile und Nutzen der Ausbildung darstellen und begründen
  • Betrieblicher Ausbildungsbedarf auf Grundlage rechtlicher, tariflicher und betrieblicher Rahmenbedingungen
  • Strukturen des Berufsbildungssystems
  • Ausbildungsberufe für den Betrieb auswählen
  • Eignung des Betriebs prüfen
  • Persönliche und fachliche Eignung des Ausbilders

Berufsausbildung und duales System

Was macht die Berufsausbildung aus?

Die Berufsausbildung gibt Unternehmen die Möglichkeit, Personal anhand der eigenen Bedarfsplanung passgenau auszubilden. Die Suche nach neuem Personal kostet Zeit und Geld, jede Neueinstellung ist mit Risiken verbunden (Probezeit, Fehlbesetzung, Kündigungsschutz). Durch die gezielte Ausbildung im Unternehmen werden diese Risiken minimiert.

Kurz zusammengefasst:

  • passgenaue Qualifikation am betrieblichen Bedarf
  • geringere Recruiting- und Einarbeitungskosten
  • höhere Mitarbeiterbindung
  • Wissenstransfer und Vorbeugung gegen Fachkräftemangel
  • Imagegewinn als Ausbildungsbetrieb

Duales System — was heißt das?

Das duale System bezeichnet die Trennung von Ausbildungsbetrieb und Berufsschule in der Bundesrepublik. Beide Lernorte sind gleichberechtigt an der Ausbildung beteiligt — der Betrieb vermittelt die praktischen Inhalte, die Berufsschule die theoretischen Grundlagen.

Die zwei Säulen:

  • Betrieb: Praxis, Ausbildungsrahmenplan, Berufsbildungsgesetz, finanziert durch die Wirtschaft
  • Berufsschule: Theorie, Rahmenlehrplan, Schulgesetz, finanziert durch die öffentliche Hand

Was heißt „Durchlässigkeit“ im dualen System?

Durchlässigkeit bedeutet, dass man von einer Stufe des Bildungsabschlusses auf die nächsthöhere aufsteigen kann — sowohl horizontal als auch vertikal. Auszubildende mit Hauptschulabschluss können während der Berufsausbildung beispielsweise den Realschulabschluss erwerben, mit guten Leistungen auch die Fachhochschulreife.

Beispiele für Durchlässigkeit:

  • Hauptschulabschluss → Realschulabschluss (über Berufsschule)
  • Realschulabschluss → Fachhochschulreife (mit guter Berufsausbildung)
  • Berufsausbildung → Studium ohne Abitur (mit 3 Jahren Berufserfahrung)
  • Verkürzung der Ausbildung bei höherem Schulabschluss möglich

Was bedeutet persönliche Eignung als Ausbilder?

Die persönliche Eignung besagt, dass du als Ausbilder Kinder und Jugendliche beschäftigen darfst. Geprüft wird sie durch die zuständige Stelle (i.d.R. die IHK).

Du bist persönlich nicht geeignet, wenn du:

  • wegen eines Verbrechens zu einer Freiheitsstrafe von 2 Jahren oder mehr verurteilt wurdest
  • wiederholt oder schwer gegen das Berufsbildungsgesetz oder die Ausbildungsordnung verstoßen hast
  • nach dem Jugendschutzgesetz nicht zur Beschäftigung Jugendlicher berechtigt bist
  • wegen einer Straftat gegen die sexuelle Selbstbestimmung verurteilt wurdest

Der Nachweis erfolgt in der Praxis meist über ein erweitertes Führungszeugnis.

Was heißt berufliche Handlungsfähigkeit / Handlungskompetenz?

Berufliche Handlungsfähigkeit ist das übergeordnete Ziel der Ausbildung: Sie umfasst alle Fertigkeiten, Kenntnisse und Fähigkeiten, die für die selbstständige und verantwortliche Ausübung des Ausbildungsberufs erforderlich sind.

Drei Dimensionen der Handlungskompetenz:

  • Fachkompetenz: Aufgaben fachlich richtig lösen (z.B. Exposé erstellen, Immobilie bewerten)
  • Personalkompetenz: eigene Stärken/Schwächen einschätzen, Verantwortung übernehmen
  • Sozialkompetenz: mit Kunden, Kollegen und Kooperationspartnern angemessen kommunizieren

In der Maklerpraxis besonders wichtig: souveränes Auftreten bei Besichtigungen, sicherer Umgang mit Verkäufern und Käufern beim Notartermin.

Was heißt „fachliche Eignung“?

Die fachliche Eignung bezeichnet die nachgewiesenen beruflichen und ausbilderischen Fähigkeiten, im jeweiligen Ausbildungsberuf auszubilden.

Fachliche Eignung wird in der Regel nachgewiesen durch:

  • Abschlussprüfung im Ausbildungsberuf + AEVO-Prüfung
  • oder: einschlägige Fortbildungsprüfung (z.B. IHK-Geprüfter Immobilienmakler) + AEVO
  • oder: Hochschulabschluss in einer entsprechenden Fachrichtung + AEVO
  • plus angemessene Zeit der Berufspraxis (i.d.R. mindestens 1 Jahr)

Regelungen und Gesetze

Welches Gesetz regelt die Berufsausbildung?

Grundlage für alle dualen Ausbildungsberufe ist das Berufsbildungsgesetz (BBiG). Es regelt Ausbildungsvertrag, Vergütung, Pflichten von Ausbildenden und Auszubildenden, Prüfungen und die Rolle der zuständigen Stellen.

Weitere relevante Gesetze:

  • Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG): Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz
  • Jugendarbeitsschutzgesetz (JArbSchG): Schutz Minderjähriger (Arbeitszeit, Pausen, Urlaub)
  • Kündigungsschutzgesetz (KSchG): Schutz vor unrechtmäßiger Kündigung
  • Betriebsverfassungsgesetz (BetrVG): Mitbestimmung, JAV (Jugend- und Auszubildendenvertretung)
  • Mutterschutzgesetz (MuSchG): bei schwangeren Auszubildenden
  • Handwerksordnung (HwO): für Handwerksberufe

Gegenüberstellung: Betrieb und Berufsschule

Kriterium Betrieb Berufsschule
Finanzierung Wirtschaft / Unternehmen Öffentliche Hand
Lernender Auszubildender Berufsschüler
Rechtliche Grundlage Ausbildungsvertrag Schulpflicht
Gesetzliche Grundlage Berufsbildungsgesetz (BBiG) Schulgesetz (Land)
Inhaltliche Regelung Ausbildungsrahmenplan Rahmenlehrplan
Qualifikationsziel Berufliche Handlungsfähigkeit Theoretische Bildung
Kontrolle Zuständige Stelle (IHK / HWK) Schulaufsichtsbehörde
Rechtliche Zuständigkeit Bundesgesetz Ländergesetz

Worum geht es in der Ausbildungsordnung?

Die Ausbildungsordnung ist die Rechtsverordnung des Bundes für jeden anerkannten Ausbildungsberuf. Sie ist Pflicht-Mindeststandard für alle Ausbildungsbetriebe in Deutschland.

Inhalte einer Ausbildungsordnung:

  • Bezeichnung des Ausbildungsberufs (z.B. „Immobilienkaufmann/-frau“)
  • Dauer der Ausbildung (i.d.R. 3 Jahre, Verkürzung möglich)
  • Ausbildungsziele (Fertigkeiten, Fähigkeiten, Kenntnisse)
  • Ausbildungsrahmenplan (sachliche und zeitliche Gliederung)
  • Prüfungsanforderungen (Zwischenprüfung, Abschlussprüfung)

Was bedeutet „Hierarchie der Rechtsquellen“?

Die Hierarchie der Rechtsquellen bezeichnet die Rangfolge der Rechtsquellen in Deutschland. Niederrangige Vereinbarungen dürfen nie gegen höherrangige verstoßen — das ist auch im Ausbildungsverhältnis entscheidend.

Rangfolge von oben nach unten:

  1. Europarecht (EU-Verordnungen, Richtlinien)
  2. Grundgesetz
  3. Bundesgesetze (z.B. BBiG, JArbSchG)
  4. Bundesverordnungen (z.B. Ausbildungsordnungen)
  5. Landesgesetze und -verordnungen (z.B. Schulgesetz)
  6. Tarifverträge
  7. Betriebsvereinbarungen
  8. Arbeits- bzw. Ausbildungsvertrag (Einzelvereinbarung)

Praxisbeispiel: Wenn der Ausbildungsvertrag eine Wochenarbeitszeit von 45 Stunden für einen 17-jährigen Azubi vorsieht, ist diese Klausel unwirksam — das JArbSchG (höherrangig) erlaubt maximal 40 Stunden.

Ausbildung und Ziele

Was ist dein Ziel als Ausbilder?

Als Ausbilder vermittelst du dem Auszubildenden vollständig die Fertigkeiten, Kenntnisse und Fähigkeiten, die zur Erreichung der beruflichen Handlungsfähigkeit im Ausbildungsberuf nötig sind — und zwar nach der Ausbildungsordnung.

Welche Ausbildungsberufe sind im Immobilienumfeld relevant?

  • Immobilienkaufm