Altersvorsorgedepot 2026: Die neue Aktienrente als Alternative zur Immobilie
Immobilien galten lange als sicherste Altersvorsorge. Mit dem Altersvorsorgedepot hat der Gesetzgeber eine staatlich geförderte Alternative geschaffen, die Investitionen in Aktien und ETFs für die Rente ermöglicht. Aber ersetzt das Depot die Immobilie – oder ergänzt es sie? Ein Vergleich mit konkreten Zahlen, Steuer-Szenarien und Insider-Perspektive.
Altersvorsorgedepot: Die Eckdaten des neuen Gesetzes
Das Altersvorsorgedepot ersetzt die gescheiterte Riester-Rente. Der Bundestag hat das Gesetz beschlossen – Anleger können bei Brokern, Direktbanken und Filialbanken ein gefördertes Depot eröffnen.
Förderhöhe und Zulagen im Detail
Maximaleinzahlung: 3.000 Euro Eigenbeitrag pro Jahr (250 Euro/Monat). Zusätzlich fließt die staatliche Zulage ins Depot.
Grundzulage: Bis zu 600 Euro pro Jahr (bei vollem Eigenbeitrag von 3.000 Euro). Das entspricht einer sofortigen Rendite von 20 Prozent auf den Eigenbeitrag – bevor die Marktrendite überhaupt einsetzt.
Kinderzulage: 300 Euro pro kindergeldberechtigtem Kind und Jahr. Eine Familie mit 2 Kindern erhält bis zu 1.200 Euro Zulagen (600 Grund + 2x 300 Kinder) zusätzlich zum Eigenbeitrag.
Berufseinsteigerbonus: Einmalig 200 Euro für unter 25-Jährige.
Mindesteigenbeitrag: Um die volle Zulage zu erhalten, müssen 4 Prozent des sozialversicherungspflichtigen Vorjahresbruttos eingezahlt werden (mindestens 60 Euro Sockelbetrag). Wer weniger einzahlt, erhält die Zulage anteilig gekürzt.
Steuerliche Behandlung
Beiträge als Sonderausgaben absetzbar: Bei einem Grenzsteuersatz von 42 Prozent ergibt das eine zusätzliche Steuerersparnis von bis zu 1.260 Euro pro Jahr. Erträge wachsen während der Ansparphase steuerfrei. Besteuerung erst bei Auszahlung ab 65 mit dann meist niedrigerem persönlichem Steuersatz. Details berechnet der Steuerrechner auf AktienRenteRechner.de.
Keine Garantiepflicht: Anders als bei Riester gibt es keine Pflicht zur Kapitalerhaltungsgarantie. Das ermöglicht 100-Prozent-Aktienquote – der entscheidende Unterschied, der höhere Renditen erlaubt.
Auszahlungsphase – oft übersehen, aber entscheidend
Die Auszahlung kann frühestens ab dem 65. Lebensjahr erfolgen und bietet drei Optionen:
- Lebenslange Verrentung: Klassische Rentenzahlung – planbar, aber niedrige Auszahlungsraten
- Auszahlplan mit Restkapitalverrentung: Flexibler Entnahmeplan bis zum 85. Lebensjahr, danach lebenslange Restrente
- Teilauszahlung: Bis zu 30 Prozent als Einmalbetrag möglich, Rest verrentet
Wichtig: Vorzeitige Auflösung ist möglich, aber alle Zulagen und Steuervorteile werden zurückgefordert (sogenannte schädliche Verwendung). Wer die persönliche Förderhöhe berechnen möchte: Förderungs-Check auf AktienRenteRechner.de.
Rendite-Vergleich: Immobilie vs. Depot mit echten Zahlen
Szenario A: Altersvorsorgedepot
Angestellter, 30 Jahre alt, Bruttoeinkommen 48.000 Euro/Jahr, keine Kinder. Zahlt monatlich 250 Euro ein (3.000 Euro/Jahr), erhält 600 Euro Grundzulage. Investiert in einen MSCI World ETF mit durchschnittlich 7 Prozent Rendite p.a. (langfristiger historischer Durchschnitt: 8,1 Prozent). TER-Kosten 0,2 Prozent.
Ergebnis mit 67 (nach 37 Jahren):
- Eingezahlt: 111.000 Euro Eigenbeitrag + 22.200 Euro Zulagen = 133.200 Euro
- Endkapital nominal: ca. 630.000 Euro
- Davon Zinseszins: knapp 500.000 Euro
- Real (nach 2 % Inflation): ca. 305.000 Euro Kaufkraft heute
Szenario B: Vermietete Eigentumswohnung
Selber Angestellter kauft eine 60-m²-Wohnung für 240.000 Euro in einer B-Stadt. 20 Prozent Eigenkapital (48.000 Euro), Finanzierung: 192.000 Euro bei 3,5 Prozent Zins, 2 Prozent anfängliche Tilgung, 25 Jahre Laufzeit. Kaufnebenkosten ca. 25.000 Euro (Notar, Grundbuch, GrESt 5 %). Nettokaltmiete: 600 Euro/Monat (3 Prozent Bruttomietrendite). Wertsteigerung: 2 Prozent p.a. Mehr zur Entscheidung Kauf vs. Miete im Lukinski-Ratgeber Wann lohnt sich Kauf, wann Miete.
Ergebnis nach 37 Jahren:
- Wohnung abbezahlt nach 25 Jahren
- Immobilienwert: ca. 500.000 Euro
- Kumulierte Mieteinnahmen netto: ca. 180.000 Euro
- Eigenkapitaleinsatz: 73.000 Euro
- Gesamtertrag nominal: ca. 607.000 Euro
- Real (nach 2 % Inflation): ca. 295.000 Euro Kaufkraft heute
Direktvergleich in der Tabelle
| Kriterium | Altersvorsorgedepot | Vermietete Immobilie |
|---|---|---|
| Eigenkapitaleinsatz | 111.000 € über 37 Jahre | 73.000 € einmalig |
| Hebel (Fremdkapital) | Keiner | 5:1 (192.000 € Kredit) |
| Endkapital nominal | ca. 630.000 € | ca. 607.000 € (Wert + Miete – EK) |
| Liquidität | Hoch (jederzeit verkaufbar) | Niedrig (Verkauf 3-12 Monate) |
| Zeitaufwand p.a. | 1-2 Stunden | 20-40 Stunden |
| Diversifikation | 1.500+ Unternehmen, 23 Länder | Ein Objekt, eine Stadt |
| Steuer Ansparphase | Komplett steuerfrei | Mieterträge steuerpflichtig (mit AfA + Zinsabzug) |
| Steuer bei Verkauf/Auszahlung | Persönl. Steuersatz auf Erträge | Nach 10 Jahren steuerfrei |
| Vorzeitige Verfügung | Schädliche Verwendung – Zulagen zurück | Verkauf jederzeit möglich |
| Inflationsschutz | Mittel (Aktien-ETF langfristig) | Hoch (Mieten + Sachwert) |
Der Hebel: Warum Immobilien mit wenig Eigenkapital mehr bewegen
Der größte Vorteil der Immobilie als Kapitalanlage: Fremdfinanzierung. Mit 48.000 Euro Eigenkapital kontrolliert man ein 240.000-Euro-Asset – Hebel 5:1.
Steigt die Immobilie um 2 Prozent im Wert (4.800 Euro), bezogen auf das Eigenkapital sind das 10 Prozent Rendite. Dazu tilgt der Mieter über seine Mietzahlung den Kredit – fremdes Geld baut das eigene Vermögen auf. Mehr zum Thema Eigenkapital bei der Immobilienfinanzierung.
Beim Altersvorsorgedepot gibt es diesen Hebel nicht. Es arbeitet nur Eigenkapital plus Zulage. Dafür: null Verwaltung, kein Mieterrisiko, keine Instandhaltung, keine Hausgeldnachzahlungen, kein Leerstand. Einmal eingerichtet, läuft der ETF-Sparplan automatisch.
Risiko-Vergleich – die echten Pain Points
Risiken Immobilie:
- Klumpenrisiko: Ein Objekt, eine Stadt, ein Mieter
- Sanierungspflicht (GEG): Energetische Sanierung kann 60.000-150.000 Euro kosten
- Mietpreisbremse / Mietendeckel: Politische Eingriffe in Mietrenditen
- Leerstand: 2-3 Monate ohne Mieter fressen die Jahresrendite
- Mietnomaden: Räumungsverfahren dauern 12-18 Monate
Risiken Altersvorsorgedepot:
- Sequence-of-Returns-Risiko: Crash kurz vor Renteneintritt halbiert das Kapital
- Volatilität: -40 % Drawdown möglich (wie 2008)
- Schädliche Verwendung: Vorzeitige Auflösung kostet alle Zulagen + Steuervorteile
- Politisches Risiko: Steuerregeln können sich ändern (siehe Riester)
- Keine Inflationsanpassung der Zulage: 600 Euro heute sind in 37 Jahren real ca. 290 Euro
Steuervorteile: Was sich wann lohnt
Altersvorsorgedepot
- Beiträge bis 3.000 Euro/Jahr als Sonderausgaben absetzbar – bei Grenzsteuersatz 42 % bis zu 1.260 Euro Steuerersparnis pro Jahr
- Dividenden, Kursgewinne, Umschichtungen während der Ansparphase steuerfrei
- Besteuerung erst bei Auszahlung ab 65 mit persönlichem Steuersatz (im Rentenalter oft nur 20-25 %)
- Kein Freistellungsauftrag nötig (gilt nicht für das Depot)
Vermietete Immobilie
- AfA: 2 % Standard, 3 % bei Neubau-Förderung – bei 240.000 Euro Gebäudewert sind das 4.800-7.200 Euro/Jahr absetzbar
- Finanzierungszinsen komplett als Werbungskosten absetzbar – im ersten Jahr bei 192.000 Euro x 3,5 % = 6.720 Euro
- Fahrtkosten, Verwaltung, Reparaturen absetzbar
- Nach 10 Jahren Haltedauer: Verkaufsgewinn komplett steuerfrei (Spekulationsfrist)
- Erbschaftssteuer-Vorteil: Vermietete Immobilien werden mit 90 % statt 100 % bewertet
Detaillierte Steuerstrategien im Lukinski-Ratgeber Steuern und Immobilien.
Fazit Steuern: In den ersten 10-15 Jahren hat die Immobilie steuerlich die Nase vorn (AfA + Zinsabzug generieren hohe Verlustvorträge). Langfristig profitiert das Depot von der komplett steuerfreien Ansparphase.
Vererbung: Was passiert im Todesfall?
Altersvorsorgedepot
Stirbt der Sparer vor Auszahlungsbeginn, geht das Depot an den Ehepartner über – inklusive Zulagen, ohne schädliche Verwendung. An andere Erben (Kinder, Geschwister) wird ausgezahlt, aber alle staatlichen Zulagen müssen zurückgezahlt werden. Das Depot wird dann normales Erbe und unterliegt der Erbschaftssteuer.
Vermietete Immobilie
Vererbung läuft über das normale Erbrecht. Ehepartner erben mit Freibetrag 500.000 Euro steuerfrei, Kinder mit 400.000 Euro je Elternteil. Vermietete Immobilien werden mit nur 90 Prozent ihres Verkehrswertes angesetzt – ein 600.000-Euro-Objekt wird also mit 540.000 Euro bewertet. Das macht die Immobilie zum klaren Sieger bei der Vermögensübertragung an die nächste Generation.
Für wen lohnt sich welche Strategie?
Berufseinsteiger 20-30 ohne Eigenkapital
Altersvorsorgedepot starten. Kein Eigenkapital nötig, sofortige Förderung, Zinseszins über 35+ Jahre. 250 Euro/Monat mit 7 % Rendite und 600 Euro Zulage/Jahr = ca. 630.000 Euro mit 67. Die gesetzliche Rente als Basis, das Depot als Aufstockung. Sobald 50.000+ Euro Eigenkapital vorhanden sind: Immobilie als zweite Säule prüfen.
Immobilienbesitzer 40-55 mit abbezahltem Objekt
Depot als Diversifikation. Das Immobilienvermögen ist ein Klumpenrisiko (eine Stadt, ein Mieter, ein Objekt). Ein breit gestreuter ETF im Altersvorsorgedepot reduziert die Abhängigkeit vom lokalen Immobilienmarkt und liefert maximale Liquidität als Notreserve.
Aktive Investoren 30-50
Beides. Immobilie nutzt den Hebel durch Fremdfinanzierung und generiert laufenden Cashflow. Depot läuft automatisch im Hintergrund als zweite Säule. Unterschiedliche Risikoklassen, unterschiedliche Liquiditätsprofile, maximale Diversifikation.
Selbständige ohne gesetzliche Rente
Das Altersvorsorgedepot steht auch Selbständigen offen – das war bei Riester nicht der Fall. Konkurrenzprodukt ist die Rürup-Rente: Diese erlaubt höhere Beiträge (bis 27.566 Euro/Jahr absetzbar), bietet aber keine Zulagen und ist starrer in der Auszahlung. Faustregel: Bis 30.000 Euro Jahresgewinn Altersvorsorgedepot, darüber Kombination mit Rürup.
Angestellte mit bAV-Angebot
Wer eine betriebliche Altersvorsorge mit Arbeitgeberzuschuss von 50 %+ hat, sollte zuerst diese ausschöpfen. Erst danach lohnt das Altersvorsorgedepot – außer der Arbeitgeberzuschuss ist niedriger als die 20 % Grundzulage des Depots.





















